Otto Seibt - das fotografische Gedächtnis von Läsikow

 

Otto Seibt wurde 1890 als Arbeitersohn in Berlin-Wedding geboren.

Die Eltern Otto Seibts waren aus dem Oderbruch und aus Schlesien nach Berlin gewandert, hatten hier geheiratet und 6 Kinder in die Welt gesetzt, Otto als viertes. Ottos Vater verdiente als industrieller Facharbeiter noch relativ gut, aber bei der großen Familie mussten alle früh mitverdienen.  Auch Otto hat vor der Schule Brötchen ausgetragen für den Lohn eines Frühstücks und 5 Mark monatlich, die er für einen Konfirmationsanzug sparte. Mit 14 Jahren half er in der Drogerie aus, eine Drogistenlehre wurde ihm angeboten, er blieb aber nur kurz dabei und wechselte in eine Schlosserlehre, die ihm offenbar mehr zusagte. Immerhin wird er in der Dogerie wohl das erste mal mit Fotomaterialien in Kontakt gekommen sein, vielleicht hat ihn der Chef auch in die Anfangsgründe des relativ neuen Mediums eingeweiht. Fotografie war aber damals noch ein ziemlich kostspieliges Hobby und ein kleiner Lehrling konnte kaum daran denken, sich eine entsprechende Ausrüstung zuzulegen. Erst nach abgeschlossener Lehre 1908 wird sich Otto vom ersten Lohn entsprechend ausgerüstet haben. Seine fotografischen Motive waren immer recht unspektakulär - der Familien- und Freundeskreis , die Arbeit als Schlosser, Kabelleger und Dreher bei Siemens, Feste und Ausflüge in´s Grüne. 

Der Wunsch, eine Frau zu finden und in den Zeiten nach dem ersten Weltkrieg wieder Fuß zu fassen veranlasste ihn dazu, eine Annonce aufzugeben. Er suchte eine Frau mit Lebensmittelgeschäft. Eine kuppelnde Arbeiterin, aus Läsikow stammend, verweis auf ihre noch unversorgte Schwester Hedwig, Tochter des alten und kränklichen Ladensbesitzers Wilhelm Ribbe. Das erste gemeinsame Treffen fand in Berlin statt. Auch ein Gegenbesuch in Läsikow wurde arrangiert. Beide verlobten sich schnell und nach 6 Monaten wurde geheiratet. Der alte Wilhelm Ribbe nahm sich eine Woche nach der Hochzeit das Leben. Die Geschäftsübernahme durch Hedwig und Otto Seibt indess war nicht sicher, denn es gab da noch zwei Schwestern und zwei Brüder auf Seiten von Hedwig. Das Geschäft wurde versteigert und durch Otto Seibt ersteigert, der es weiterführte.

Das Fotografieren hatte er nicht aufgegeben. Fotografien zu den verschiedensten Anlässen waren sehr begehrt, denn einen Fotoapparat besaßen nur wenige. Er besorgte sich auch gemalte Studio-Hintergründe um seine Fotografien professioneller zu gestalten. Sowohl Auftragsarbeiten führte er aus als auch Bilder für die regionalen Zeitungen.  Kleine dörfliche Ereignisse und das alltägliche Leben hielt es fest, Sensationen fanden nicht statt. Das äußerste waren vom Blitz getötete Pferde sowie vom Sturm gefällte Bäume als auch eine pompöse Bestattung des Gutsbesitzersohnes.

 

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges fotografierte Otto Seibt hauptsächlich die Russen, von diesen Aufnahmen blieb jedoch nichts erhalten. Sein Lebensmittelgeschäft ging zum Kriegende bereits schlecht, nach dem Kriegsende wurde es nicht besser. Unter dem Druck der staatlichen Konkurrenz HO und Konsum schloß Otto Seibt sein Geschäft 1954. Er übernahm die "AG junger Fototechniker" an der Zentralschule in Nackel bis 1958, dem Jahr in dem seine Frau starb. Otto Seibt selbst lebte noch bis zum Jahre 1974 und ist friedlich im Schlaf gestorben.

 

aus der Rede von Andre Lefebre, Enkel von Otto Seibt, zur Eröffnung der Otto-Seibt Ausstellung

                                                    

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